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Law Firm - Anwaltsbüro Willi

Die gesetzliche Erbfolge in Ungarn


Definition

Die gesetzliche Erbfolge kommt immer dann zur Anwendung, wenn ein Erblasser - bewusst oder unbewusst - von seinem Recht der Testierfreiheit (vollständig oder teilweise) keinen Gebrauch macht, d.h. wenn keine Verfügung von Todes wegen (Testament oder Erbvertrag) vorliegt. In diesem Fall bestimmt sich die Erbfolge nach dem Gesetz.

Sofern der Erblasser eine Verfügung von Todes wegen errichtet, sind darüber hinaus die Ausführungen zur gewillkürten Erbfolge zu berücksichtigen.


Verwandte Personen als gesetzliche Erben

Parentelsystem

Für die gesetzliche Erbfolge der Verwandten gilt das sogenannte Parentelsystem, welches die Verwandten in sich nach Abstammung richtenden Ordnungen einteilt. Solange beim Tod des Erblassers ein Verwandter einer vorrangigen Ordnung noch am Leben ist, sind Verwandte nachrangiger Ordnung von Gesetzes wegen von der Erbschaft ausgeschlossen.

Beispiel: Erblasser mit 
- 2 Töchtern, 1 vorverstorben mit 2 Kindern und 
- 2 Elternteile
- kein Ehegatte
Erben Erbanteile in HU, CH, DE, AT, FL:
Tochter 1/2
Enkel 1 1/4
Enkel 2 1/4
Eltern -

Umfang der gesetzlichen Erbberechtigung

Die Erbberechtigung der Verwandten endet nicht mit einem bestimmten Stamm, vielmehr können auch entferntere Voreltern (und bis zur 5. Parentel deren Abkömmlinge) gesetzliche Erben sein. Ab der 5. Parentel (Stamm der Ururgrosseltern) kommen nur noch Verwandte in gerader Linie als gesetzliche Erben in Frage; Verwandte in Seitenlinien sind von der gesetzliche Erbfolge ausgeschlossen.

In der CH endet die Erbberechtigung der Verwandten beim Stamm der Grosseltern (3. Parentel)
In AT und FL endet die Erbberechtigung der Verwandten beim Stamm der Urgrosseltern (4. Parentel)
In DE gilt ab der 4. Parentel das sogenannte Gradualsystem.

Erbquote

Die den Verwandten zufallende Erbquote bestimmt sich jeweils anhand der Erbquote des Ehegatten. Die Erbberechtigung der Verwandten kann infolge der Erbberechtigung des Ehegatten unter Umständen dahinfallen.

Beispiel: Erblasser mit 
- Ehegatte
- 1 Schwester
- keine Nachkommen
- keine Eltern
Erben Erbanteile in HU in CH in DE in AT, FL:
Ehegatte 1 3/4 1/2 2/3
Schwester - 1/4 1/2 1/3

Prinzipien innerhalb des Parentelsystems

Die Ordnung innerhalb der jeweils erbberechtigten Parentel wird durch das Repräsentations,- Eintritt-, Gleichheits- und Anwachsungsprinzip geregelt: Danach erbt innerhalb einer Parentel grundsätzlich nur die älteste Generation (Repräsentationsprinzip) und zwar zu gleichen Teilen (Gleichheitsprinzip). Fällt ein möglicher Erbe bspw. infolge Vorversterbens, Ausschlagung oder Erbunwürdigkeit aus, so treten seine Nachkommen - wieder nach den oben genannten Prinzipien - an seine Stelle (Eintrittsprinzip). Treten keine Nachfahren an die Stelle eines weggefallenen Erben, wächst sein Erbteil seinen Miterben gleicher Stufe an (Anwachsungsprinzip).

Beispiel: Erblasser mit 
- 1 Elternteil
- 2 Brüder, 1 vorverstorben mit 2 Kindern, 1 vorverstorben
- kein Ehegatte und keine Nachkommen
Erben Erbanteile in HU, CH, DE, AT, FL:
Elternteil 1/2
Bruder 1/4
Neffe/Nichte 1/4

Besonderheit: Rückfallerbfolge

Hat der Erblasser keine Nachkommen, werden Vermögenswerte gesondert vererbt, welche dem Erblasser entweder von einem seiner Vorfahren durch Erbfolge oder Schenkung zugefallen sind oder die der Erblasser von einem Geschwister oder von dessen Nachkommen geerbt oder geschenkt erhalten hat, sofern das Geschwister oder dessen Nachkommen die Vermögensgegenstände von ihrem mit dem Erblasser gemeinsamen Vorfahren geerbt oder geschenkt bekommen hat. Diese Vermögenswerte, welche mit einem Niessbrauchsrecht zugunsten des überlebenden Ehegatten belastet sind, erwirbt grundsätzlich der nächste Vorfahre des Erblassers in gerader aufsteigender Linie bis zum „Schenker“, ohne dass das Eintrittsprinzip zur Anwendung gelangen würde. Einzig die Nachkommen des vorverstorbenen Elternteils in der gerade aufsteigender Linie können als Rückfallserbe eintreten. Sollten keine „Rückfallserben“ vorhanden sein, fallen die Vermögenswerte dem gewöhnlichen Nachlass zu.

Beispiel: Erblasser mit
- Ehegatte
- keine Eltern
- 1 Bruder
erbte zu Lebzeiten vom Grossvater ein Grundstück.
Erben Erbanteile am Grundstück:
Ehegatte Niessbrauchsrecht
Bruder Eigentum

Ehegatte als gesetzlicher Erbe

Sind neben dem Ehegatten gleichzeitig Nachkommen des Erblassers erbberechtigt, so steht dem überlebenden Ehegatten ein lebenslanges Nutzniessungsrecht über die mit dem Erblasser gemeinsam bewohnte Wohnung und den dazugehörenden Einrichtungs- und Ausstattungsgegenständen sowie ein Kindesteil aus dem übrigen Teil des Nachlasses ausser der gemeinsam bewohnten Wohnung zu. Sind neben dem Ehegatten gleichzeitig Eltern des Erblassers erbberechtigt, so erbt der überlebende Ehegatte die mit dem Erblasser gemeinsam bewohnte Wohnung und die zugehörenden Einrichtungs- und Ausstattungsgegenstände sowie die Hälfte des übrigen Nachlasses. Anstelle des von der Erbfolge weggefallenen Elternteils erben der andere Elternteil und der Ehegatte des Erblassers zu gleichen Teilen. Gegenüber allen sonstigen Verwandten des Erblassers erbt der überlebende Ehegatte den gesamten Nachlass.

Beispiel: Erblasser mit
- Ehegatte
- keine Nachkommen
- 1 Elternteil
- 1 Schwester
Erben Erbanteile in HU: in CH: in DE: in AT und FL:
Ehegatte 5/8 3/4 1/2 2/3
Elternteil 3/8 1/8 1/4 1/6
Schwester - 1/8 1/4 1/6
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